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Dschungeltour Chiapas
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Nach mehreren Rafting-Touren mit Ernesto, der sich nebenbei am Wochenende damit ein wenig Geld dazu verdiente, erzählte er uns eines Tages von einer Tour durch die Selva Lacandona, einem Naturschutz-gebiet im Osten von Chiapas. "Der Fluss Lacanjá fliesst durch dieses Gebiet, und in fünf Tagen könnte man bis zum Usumacinta kommen" berichtete Ernesto, erzählte uns aber nichts von den Strapazen die uns erwarten würden. Nachdem er von unberührtem Dschungel, dem glas-klaren Fluss und wilden Affen vorschwärmte, war der Entschluss schnell gefasst. Kurz nach Weihnachten '98 fuhren wir also die rund 800 km bis nach Palenque, und trafen uns dort mit dem Rest der Gruppe. Insgesamt waren wir 13 und fuhren am nächsten Tag noch 150 km in Richtung Bonampak. Hier kamen wir an den Fluss Lacanja, beluden die Boote und starteten gegen Mittag unsere Expedition.

Tag 1:

Das Wasser des Flusses war wirklich glasklar, und kaum hatten wir ein paar Paddelschläge getan und waren über den ersten kleinen Wasserfall  hinweg, waren wir wirklich inmitten einer unberührten Landschaft. Rechts und links war vom Ufer nichts mehr zu sehen, die Bäume und Äste schienen direkt aus dem Wasser zu wachsen. Gegen fünf suchten wir am Ufer nach einer nicht ganz so dicht bewachsenen Stelle, um unsere Zelte aufstellen zu können. Schnell hatte Ernestos geübtes Auge eine solche Stelle entdeckt und wir gingen an Land. Wir schafften wir mit der Machete mehrere 2x2 Meter grosse freie Plätze und bauten unsere Zelte auf. Um sechs war es dunkel, und man konnte sich nicht mehr gross bewegen, ohne Gefahr zu laufen, sich im Dunkeln zu verlaufen. Also saßen wir bei den Zelten und lauschten den vielen unbekannten Geräuschen. Wir aßen und legten uns bald darauf zum Schlafen in die Zelte, aber zumindest für mich wurde diese Nacht nichts daraus. Der harte unebene Zeltboden und die vielen Geräusche ließen mich immer wieder hochschrecken. Als gegen sechs die Sonne versuchte durch das Blätterdach zu dringen und Ernesto das Wecken anfing, hatte ich kaum ein Auge zugemacht. Na dass sollte eine interessante Woche werden ...

Tag 2:

Langsam kam Leben in unser Lager. Wir krochen aus den Zelten, alle irgendwie mit verspanntem Rücken und noch viel zu müde. Nach dem Frühstück schlüpften wir wieder in unsere "Tageskluft", die über Nacht nicht getrocknet war. Im ersten Moment nicht gerade angenehm - aber wir hatten nur eine kurze Kluft für tagsüber, und eine lange für die Nächte. Dazu noch eine Zahnbürste und Klopapier - das war das Gepäck pro Person. Wir verschnürten alles in den Booten und los ging es.

Der Fluss floss relativ ruhig dahin. Ab und zu tauchte ein kleiner Wasserfall auf (zwischen 0,5 und 5 Meter Höhe), und abhängig von der Höhe und dem Flussverlauf dahinter fuhren wir oder liessen die Boote und dann uns gegenseitig an Seilen hinunter. Jede Stufe war ein kleines Abenteuer. Noch am Vormittag kamen wir an den Ruinen von Bonampak vorbei und schauten uns diese an. Es war die letzte Begegnung mit der Zivilisation für die nächsten Tage.



Am Abend schauten wir wieder nach einem Zeltplatz und wurden relativ schnell fündig. Also wurde wieder etwas Platz geschaffen, die Zelte aufgebaut und das Abendessen gemacht. An nur zwei Mahlzeiten pro Tag musste man sich erstmal gewöhnen, aber mittags gab es einfach keine Möglichkeit zu kochen. Also gab es nur ein paar Nüsse oder Trockenfrüchte. Um so besser schmeckte das einfache Abendessen. Und danach? Wir erzählten noch ein wenig über die Erlebnisse des Tages, pflegten unsere ersten Ameisenbisse und zogen die ersten Dornen aus unserer Haut. Um halbneun waren wir so fertig, dass wir alle in den Zelten verschwanden. Diese Nacht verfiel ich sofort in einen tiefen Schlaf ...

Tag 3:

Irgendwann gegen vier Uhr morgens wachte ich auf. Es war stockdunkel, man konnte die eigene Hand vor Augen nicht sehen. Dann hörte ich das Brüllen. Es klang zwar weit weg, ließ mir aber trotzdem einen Schauer über den Rücken laufen. Es klang wie ein Jaguar, und ich wusste es gab hier welche! Oder war es doch ein Brüllaffe? Dann hörte ich etwas um die Zelte schleichen. Ernesto und Luís hatten es wohl auch gehört und ich konnte durch die Zeltwand das Leuchten ihrer Taschenlampe erkennen. Sie konnten aber nichts ausmachen und legten sich lieber wieder ins Zelt. Da blieb ich auch! Bis zur Dämmerung gegen halb sechs tat ich kein Auge mehr zu und lauschte auf die vielen Geräusche.



Nach dem Frühstück ging es wieder los, Zelte abbauen, alles wasserdicht verpacken und in die Boote. Unterwegs teilte sich immer wieder der Flusslauf, und mehr als einmal überlegte Ernesto, welchen wir wohl nehmen mussten. Außerdem war der Fluss immer wieder durch umgestürzte Baumstämme versperrt. Die Technik war dann immer die gleiche: Man fuhr mit etwas Schwung auf den Stamm, die vorderen im Boot stiegen drauf und zogen das Boot drüber. Man musste nur aufpassen, ob der Stamm nicht von Ameisen oder Termiten bevölkert war. In solchen Fällen hieß es schnell sein und sich mit Wasser die kleinen Angreifer vom Leibe zu halten.

Am Nachmittag dieses Tages hatten wir eine Begegnung der besonderen Art. Als sich eines der Boote einem Baumstamm näherte und die ersten zwei auf den Stamm stiegen, sprang Luís plötzlich in hohem Bogen zurück ins Boot und schrie: "Komm ins Boot, schnell!" Marco verstand nicht was los war, begriff aber an Luís' Gesichtsausdruck, dass es wohl ernst war und sprang ebenfalls zurück. Luís stieß das Boot vom Stamm weg. Wir wunderten uns natürlich, bis Luís uns von der Schlange berichtete, auf die er getreten war! Es handelte sich um eine Naujaca von ca. 8 cm Durchmesser. Sie gehört zur Familie der Klapperschlangen, nur etwas giftiger. Zum Glück lag die Schlange im Schatten und hatte wohl gefressen. Daher war sie so träge, dass sie gar nicht reagiert hatte. Luís war trotzdem kalkweiß. Wir näherten uns dem Stamm, um das Tier sehen zu können (aus gebührendem Abstand), als auf der anderen Seite auch noch eine Tarantel von 15 cm Durchmesser um den Stamm gekrochen kam. Das reichte uns dann wirklich, wir überquerten den Stamm auf der anderen Seite des Flusses.

Abends im Zeltlager schauten wir uns den Beipackzettel für das Antiserum gegen Schlangenbisse der Naujaca an. Nachträglich bekamen wir noch weiche Knie: "... wenn das Antiserum innerhalb von 15 Minuten nach dem Biss direkt in die Wunde gespritzt wird, kann es das Opfer retten ..." Wir verschwanden sehr still in unseren Zelten und achteten darauf, Türen und Lüftungen der Zelte gut zu verschliessen.



Tag 4:


An diesem Tag der Reise wollten wir einen Orientierungspunkt der Strecke erreichen, einen Wasserfall der auf ca. 50 Meter Strecke einen Höhenunterschied von 30 Meter ausmachte. Dieser ist natürlich nicht schiffbar, und man muß rechtzeitig aus der Strömung kommen um sich ans Ufer zu schlagen. Wir wussten nur, daß er direkt hinter einer Linkskurve liegt und passten natürlich bei jeder davon besonders auf. Wenn wir ihn heute erreichen sollten, war dort unser Zeltplatz geplant, und wir wussten, daß wir dann am nächsten Tag den Endpunkt der Strecke erreichen würden. Wir machten uns also früh auf den Weg, schließlich hatten wir noch nicht so viel geschafft. Der Fluß wurde wieder abwechslungsreicher, es gab Wasserfälle und querliegende Baumstämme, aber nicht mehr in so kurzen Abständen. Wir kamen also recht gut voran. Am Vormittag sahen wir ein Papageienpaar, das im Parallelflug um sein Nest segelte und uns lautstark beschimpfte. Die Schreie der Saraguatos waren auch wieder zu hören, mal näher, mal etwas weiter. Wir wollten nun endlich den Ursprung dieses Brüllens zu Gesicht bekommen, schließlich mussten diese Affen den Lauten nach zu urteilen mindestens 2 Meter groß sein. Und plötzlich sahen wir einen! Er saß auf einem Ast, der über den Fluß reichte. Aber das Ding war mal gerade einen halben Meter groß! Der sollte so brüllen können? Und dann machte er uns auch schon lautstark klar, daß wir in sein Reich eingedrungen waren. Auf dem Baum nebenan saß der Rest seiner Horde, schön ruhig um ja nicht gesehen zu werden. Nun hatten wir endlich Saraguatos gesehen, es fehlten nur noch die Spinnenaffen. Wir fuhren also weiter, und mußten einen kleinen Wasserfall von ca. 1.20 m überwinden. Wir tasteten uns heran und hielten an einer kleinen Insel an der Kante, um die beste Stelle für die Abfahrt zu entdecken. Das andere große Boot war etwas entschlossener und fuhr geradewegs auf die Stelle zu, über die das meiste Wasser ging. Es kam auch gut runter, aber unter der Stufe bildete sich ein Loch, was das Boot hinten hochschlagen und drei Mann einschließlich Luis über Bord gehen ließ. Sie landeten alle drei im Loch, wo sich durch den Wasserfall ein vertikaler Strudel bildet. Luis bekam unter Wasser die beiden anderen zu packen, schob sie aus der "Waschmaschine" und drückte sich dann selbst von der Felswand ab um herauszukommen. Das Boot wurde vom Strudel zurück an den Wasserfall gezogen und konnte so die beiden an Bord holen, aber Luis war wohl noch nicht sauber und tauchte wieder ab in die Waschmaschine - trotz Schwimmweste! Die Mannschaft im Boot (jetzt wieder vier)ruderte inzwischen wie wild um vorwärts zu kommen. Diesmal kam Luis etwa 10 Meter weiter vorne an die Oberfläche, inzwischen etwas besorgt, da er wieder gegen seinen Willen rückwärts schwamm. Ernesto, unser Kapitän, hatte aber schon das Seil zur Hand und warf es Luis zu. In der Eile hatte er den Karabiner am Ende des Seils gelassen, wodurch er genau zielen konnte. Er zielte zu genau und verpasste Luis eine schöne Beule. Aber das war ihm immer noch lieber als noch ein Waschgang. Genau wie das dritte Boot entschlossen wir uns nach dem Schauspiel doch für einen Abseilvorgang. Wir hatten zwar seit Tagen nicht geduscht aber trotzdem kein Verlangen nach einer Hauptwäsche. Als sich die Sterne vor Luis´ Augen verzogen hatten ging es weiter. Wir ruderten jetzt immer schneller, aber hinter keiner der Linkskurven tauchte ein Wasserfall auf. Waren wir doch nicht so weit gekommen? Als gegen 17:30 Uhr immer noch kein Wasserfall in Sicht war, schlugen wir uns ans Ufer um die Zelte aufzuschlagen. Kaum waren wir an Land, ging direkt über uns das Gebrüll eines Saraguato los, und plötzlich kam ein neugieriger Spinnenaffe bis auf 6 Meter Höhe heruntergeschwungen und beobachtete uns, um uns schließlich mit kleinen Ästchen zu bewerfen. Da der Boden hier sowieso recht feucht war, akzeptierten wir die Aufforderung der Affen und zogen ein paar Meter weiter, aber nicht ohne vorher den Spinnenaffen zu betrachten. Diese Affen sind auch etwa einen halben Meter groß, aber mit sehr langen dünnen Armen und Beinen und im Gegensatz zum Saraguato sehr aktiv, verspielt und neugierig. Nachdem wir die Zelte aufgeschlagen und gegessen hatten, versuchten wir nochmal mit dem GPS und der Karte unsere Position festzustellen. Wo war dieser verdammte Wasserfall? Wenn wir ihn am nächsten Tag nicht bis spätestens 11:00 Uhr erreichen sollten, hieß das eine weitere Nacht im Dschungel. Unsere Sorge betraf vor allem die Lebensmittel.



Tag 5
 

Diesen Morgen standen wir alle pünktlich um 6:30 Uhr auf und waren bereits um 8:00 Uhr wieder in den Booten. Wir ruderten sehr zügig und kamen auch gut voran. Als gegen 12:00 Uhr immer noch kein Wasserfall aufgetaucht war, überkam uns ein merkwürdiges Gefühl. Waren wir auf einem anderen Arm des Flusses? Oder gar auf einem anderen Fluß? Wir hatten bereits seit dem Vortag die Lebensmittel rationiert und gegen Mittag überkam uns das erste Mal der Hunger. Wir dachten an Steaks, Pizza und all die schönen Dinge der Zivilisation, aber wehe einer sprach davon. Alle dachten das Gleiche, aber wenn man sich mal abgelenkt hatte wollte man nicht wieder daran erinnert werden. Inzwischen hatten wir recht viele Affen gesehen, Saraguatos und auch Spinnenaffen. Man schaute man zwar immer wieder hin, durch die merkwürdige Stimmung aber war das Interesse lange nicht mehr so groß. Wir hielten eher Ausschau nach essbaren Früchten, konnten aber außer riesigen grün-braunen "Nüssen" mit mehreren Kernen und einem sehr merkwürdigen, pelzigen Geschmack nichts ausmachen. Als wir uns innerlich auf die weitere Nacht in den Zelten eingestellt hatten, ging es wieder etwas zügiger weiter. Hinter jeder Kurve nach links vermuteten wir das ersehnte Objekt, und jedes noch so kleine Rauschen machte uns Hoffnung. Wir wollten wenigstens wissen, daß wir auf dem richtigen Weg waren. Die Flußarme waren inzwischen auch wieder zusammengelaufen und eigentlich konnten wir nicht falsch sein. Aber der Wasserfall tauchte nicht auf.

Um 17:30 Uhr gingen wir wieder ans Ufer und schlugen unsere Zelte in einem schmalen Kanal auf, eines hinter dem anderen. Vor kurzem war hier noch Wasser herabgelaufen, und dadurch hatte die Vegetation noch nicht wieder Besitz von diesem freien Plätzchen ergriffen. Wir brauchten diesmal also nur ein paar Steine und Äste wegzuräumen, aber wir stellten uns die Frage, was passiert wenn es anfängt zu regnen? Es war aber inzwischen dunkel und somit unmöglich einen besseren Platz zu suchen. Wir nahmen ein aus Resten zusammengemixtes Abendessen zu uns und gingen zu Bett. Es war der Sylvesterabend, aber wir hatten weder Platz, noch Getränke, noch die Lust bis zwölf Uhr wach zu bleiben. In der Nacht hörte Arturo plötzlich ein Rauschen, spürte wie sich das Zelt bewegte und wachte dann aus seinem Traum auf. Es war alles in Ordnung.

Tag 6:

Morgens wünschten wir uns alle ein frohes neues Jahr und machten uns zum Frühstück über die letzten Lebensmittel her - Tortillachips mit Sahnesoße und Salamistückchen. Eine ganz neue Version von Chilaquiles - normalerweise mit Tomatensoße und Hähnchen. Wir stiegen in die Boote mit der Gewißheit, wir kommen heute raus oder wir müssen wirklich hungern. Also ging es kräftig los, und nach einer halben Stunde kamen wir um eine Kurve und Ernesto schrie "Rudern! Wir müssen ans Ufer!" Wir hatten ihn endlich erreicht. Von der Kurve bis zur ersten Stufe waren es ca. 30 Meter, wir mussten uns ganz schön anstrengen um nicht hineingezogen zu werden. Die anderen Boote hatten es leichter, sie kamen nach uns und sahen unsere Bemühungen und Zeichen. Also schlugen wir uns ans Ufer und packten unser mit Mühe vor einer halben Stunde verzurrtes Gepäck wieder aus.

Zwei fingen an aus den Booten die Luft zu lassen und Ernesto und ich machten uns mit Machete und Ruder bewaffnet auf die Suche nach einem Weg. Ernesto schlug mit der Machete eine Bresche ins Unterholz während ich die kreuz und quer liegenden vermodernden Baumstämme mit dem Ruder auf Schlangen untersuchte. Wir kamen auch relativ schnell 20 Meter vorwärts, aber dann standen wir vor einem gähnenden Loch von 8 Meter Tiefe. Auf der anderen Seite war es nur 3 Meter hoch und leicht zu ersteigen, aber auf unserer Seite war ohne Seil nichts zu machen. Hier floß in der Regenzeit ein Teil des Flusses entlang. Ernesto schaute kurz nach einer Umgehungsmöglichkeit und entschloß sich dann aber das Seil zu holen. Er brachte gleich ein paar Leute der Gruppe und einiges Gepäck mit und wir seilten ihn ab. Der Abstieg war zwar glitschig und kompliziert (man musste sogar an einem Überhang entlang), aber wir kamen alle ohne Sturz hinunter. Einige holten sich zwar einen Schrecken, aber das zweite Seil zur Sicherung hielt bei den kleinen Ausrutschern.

Nachdem wir auch alles Gepäck unten hatten ging es weiter. Ernesto hatte inzwischen ca. 100 Meter Weg im Zickzack durch den Dschungel geschlagen. Wir machten uns also jeder mit einem Gepäckstück (insgesamt 260kg einschließlich Booten) auf den Weg und bildeten Sammelstellen, wo Ernesto noch am erkunden war. Auf dem Rückweg um weiteres Gepäck zu holen, kamen wir mehrfach vom Weg ab und mussten wieder ein paar Meter zurück, um die richtige Richtung einzuschlagen. Man kann sich nicht vorstellen, wie leicht man sich im Dschungel verläuft! Alles sieht gleich aus und manche lichte Stelle scheint der Weg zu sein. Auf diese Weise schlugen wir uns ca. 300 Meter im Zickzack durch das Unterholz um schließlich unterhalb des Wasserfalls wieder am Fluß zu landen. Dort pumpten wir die Boote wieder auf, verzurrten das Gepäck und weiter ging es. Diese 300 Meter kosteten uns 3 Stunden, 45 Minuten fürs Ent- und Beladen, der Rest für den Weg!

Aber jetzt wussten wir, daß wir heute noch den Lacantum erreichen konnten. Mit neuer Kraft ging es weiter. Der Fluß hatte noch ein paar kleinere Wasserfälle, wurde aber immer breiter und ruhiger. Wir sahen wieder jede Menge Affen auf den Bäumen, unter anderem eine Horde von Spinnenaffen,  die uns von Baum zu Baum hangelnd ein Stück am Ufer entlang begleiteten. Für sie war ein Mensch eben auch etwas besonderes.

Schließlich wurde der Fluß ein ruhiger Strom und wir ruderten ca. 4 Stunden und kamen gegen 17:00 Uhr an die Mündung des Lacanja in den Lacantum. Hier sollte eigentlich ein Militärposten sein, aber es war nur der Holzverschlag für die Wache zu sehen.

Als wir schon fast vorbeigetrieben waren, hörten wir Geräusche wie von einem Fußballspiel. Und dann schaute auch einer aus dem Wald. Sofort kamen mehrere Soldaten heraus und winkten uns zu, wir sollten zurückkommen. Da wir schon auf dem Lacantum mit einer starken Strömung waren, ruderten wir nur ans Ufer. Die Soldaten stiegen in ein Boot und kamen zu uns. Es kamen natürlich die Fragen wo wir herkämen, welche Nationalität wir hätten und ob wir uns ausweisen könnten. Wir erklärten ihnen alles. Nur ein paar von uns kamen leicht an ihre Ausweise, diese reichten den Soldaten aber aus. Sie konnten allerdings kaum glauben, daß wir den Lacanja heruntergefahren waren. Von dort komme sonst nie jemand. Da wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatten, fragten zwei von uns ob wir nicht etwas zu essen bekommen könnten. Bereitwillig gaben uns die Soldaten ein paar Lebensmittel in Dosen.

Wir fuhren weiter, schließlich hatten wir noch ein gutes Stück vor uns (25 km) und es war bereits 18:00 Uhr. Wir fuhren auf die Mitte des Flusses (ca. 80 Meter breit) und banden die Boote zusammen. Dann ließen wir uns von der Strömung treiben. Wir lagen auf den Booten, geschafft von der Ruderei, erlöst von der Anspannung der letzten Tage und verspeisten mit Hochgenuß das Dosenfutter und - Ernesto hatte noch eine letzte Reserve gelassen - drei Salamis.

Mit der Dunkelheit wurde es frisch auf dem offenen Wasser, und da wir allesamt nasse Klamotten hatten, zogen wir uns die mitgebrachten Regenjacken an. Wir holten noch ein paar Bettlaken aus dem Gepäck, deckten uns soweit es ging zu und betrachteten die Sterne und das dunkle Ufer. Ernesto und Luis, für alles ausgerüstet, hatten ein Nachtsichtgerät mit, um den Fluß nach Baumstämmen und anderen Hindernissen und das Ufer nach Anzeichen der Zivilisation abzusuchen. Man kann erstaunlich gut damit sehen, es ist nur alles in grün.

Die Strömung war leider nicht so stark wie wir es uns gewünscht hatten, und als wir gegen 24:00 Uhr Hütten und ein paar Boote am Ufer erkennen konnten, gingen wir hier an Land. Es war das Dorf Chiringuicharo, wo wir unser letztes Zeltlager aufschlugen.

Es machte uns tatsächlich noch jemand auf und die Dame des Hauses erklärte sich sogar bereit, gegen ein Entgeld drei der in der Hütte umherlaufenden Hühner für uns zu schlachten und zuzubereiten.

Wir saßen also in einer Hütte, die Wände aus einfachen Brettern, das Dach strohgedeckt, ein Lehmfußboden und die ganze Familie einschließlich Haustiere mit uns in dem einen großen Raum, aus dem die Hütte bestand. Die Frau kochte auf der Feuerstelle und ein Großteil der 13 Kinder beäugte uns neugierig.

Um 3:00 Uhr waren wir mit dem Essen fertig und fielen kaum in den Zelten in einen tiefen Schlaf.  Am nächsten morgen führ Ernesto per Anhalter zu dem Punkt wo unser Wagen stand und kam damit zurück ins Dorf. Wir brachen die Zelte ab, packten alles ins Auto und fuhren mit 13 Personen und Gepäck im Suburban (9 Sitzplätze) Richtung Palenque (160 km). Auf der halben Strecke kam uns der zweite Wagen entgegen. Der Fahrer war wieder auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt, wo wir eigentlich am Abend vor 2 Tagen ankommen sollten. Er hatte sich schon Sorgen gemacht.

Die weitere Fahrt verlief ohne Probleme, es gab nur die üblichen Militärkontrollen. Gegen 17:00 Uhr kamen wir in unserem Hotel an und verschwanden alle in den Zimmern, um für mindestens eine halbe Stunde unter der Dusche zu verschwinden. Herrlich, warmes Wasser, saubere Klamotten - die Zivilisation hat eben doch ihre Vorteile. Es konnte uns natürlich keiner davon abbringen am Abend herrlich essen zu gehen. Es war nur ein einfaches Restaurant, aber es schmeckte herrlich!!


Alles in allem war es ein unvergeßliches Erlebnis, mit allem was dazugehört. Ob ich es nochmal machen würde? Ich weiß es nicht ...

Ernesto hat sich inzwischen ganz seinem Hobby gewidmet und ist nach Chiapas gezogen. Er betreibt am Lacanja ein Camp und bietet Touren durch den Dschungel an. Informationen über sein Camp und die Touren findet Ihr hier.

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